Man sprach über ihn...

Die britische Botschafterin im Libanon über Seine Eminenz Ayatullah Fadlallah (r.)

Francis Gay

 

Eine der Vorzüge, die die Diplomaten genießen dürfen ist, dass man viele große und hohe Persönlichkeiten, wichtige und unwichtige, treffen darf.

Im Libanon mögen es viele Menschen mich zu fragen, welchen Person bzw. welchen Politiker ich am meisten bevorzuge. Doch diese Angelegenheit ist nicht fair und es ist klar, dass viele Antworten erhalten möchten, die sie persönlich betreffen.

Normalerweise meide ich die Antwort und weise auf jene hin, die ich schon getroffen habe und mich einwenig beeindruckt haben.

Bis vor kurzem war allerdings meine bevorzugte Antwort,  der Hinweis auf Seine Eminenz Sayyed Muhammad Hussein Fadlallah (r.), die höchste religiöse Autorität der Schia im Libanon.

Er ist ein Haltepunkt der Bewunderung für viele  muslimische Schiiten in der Welt. Wenn du ihn triffst, kannst du dir sicher sein, dass es dort einen wahrhaftige Diskussion geben wird, neben einer respektvollen Erörterung. Und wenn du ihn verlässt, dann bleibt ein Gefühl  in dir, dass du ein besserer Mensch geworden bist. Das gilt für mich  persönlich, durch  den praktischen Einfluss, den dieser wahre Gelehrte bei  mir hinterlassen hat, der auch bei jedem anderen der ihn trifft Spuren hinterlässt, ganz gleich welcher Religion er folgt.

Vor kurzem ist Sayyed Muhammad Hussein Fadlallah verstorben. Der Libanon heute ist nicht mehr wie der Libanon gestern und sein Ableben wird die Grenzen der Strände Libanons überschreiten.


Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, als ich für die Position der Botschafterin im Libanon eingesetzt wurde. Da hat mich ein muslimischer Bekannter angerufen und gesagt: Was für ein Glück du hast, da du die Möglichkeit haben wirst, Sayyed Fadlallah treffen zu können.

Und wie recht er hatte…


Und wenn ich schon traurig bin, aufgrund dieser Nachricht, so bin ich mir sicher, dass das Leben vieler Menschen sich verschlechtern wird. Die Welt bedarf mehr solcher Gelehrten, die offen sind für andere Religionen, wissend um die Realität unserer modernen Zeit und die bereit sind,die Fesseln  der alten Grenzen zu bekämpfen. So möge Gott ihn selig haben.


Aktualisierung am 9.7.2010: Die britische Regierung hat den Artikel "zurückgezogen" und es eine reine persönliche Ansicht von Fr.Guy klassifiziert, über einen Mann, "den sie nicht wirklich kenne". Dies geschah nachdem das israelische Außenministerium von den lobenden Äußerungen Kenntnis nahm.


7.7.2010 /25.Rajab 1431

Aus diesen Gründen hat die religiöse Autorität [Marja] Fadlallah auf die Äußerungen des Patriarchs Sfeir geantwortet:

"Es gibt keine Heiligkeiten die man nicht erörtern darf, egal wer es ist"

 


Ein Kommentar von Hassan 'Aaliq in der libanesischen Zeitung al-Akhbar [28.08.2009]

 

Die Welle hat sich immer noch nicht gelegt, die eine Konsequenz der Stellungnahme des schiitischen Marja Sayyed Muhammad Hussein Fadlallah, ist. Er antwortete vor ca. 3 Tagen auf die Äußerungen des maronitischen Patriarchs Nasrallah Sfeir: „Die (parlamentarische) Mehrheit muss regieren und die Minderheit ist in der Opposition“.

 

Die Rede Fadlallahs rief Reaktionen von zahlreichen christlichen Politikern hervor. Der Abgeordnete Nadim Gemayyel sagte vor kurzem, dass die Worte Fadlallahs' im Rahmen einer Kampagne gegen die christlichen Standpunkte, herrühre. Diese Meinung wurde vom Generalsekretariat der 14.Februar Bewegung, gestern bestätigt. Außerdem lehnte dasselbe Generalsekretariat in seiner Stellungnahme die Worte Fadlallahs' ab, ohne diesen beim Namen zu nennen und fügte ihn in die Liste der „programmierten Kampagne“ gegen den Patriarch.

 

Im Grunde ist die politische Bühne im Libanon nicht vorbereitet auf das Eingehen des höheren schiitischen Marja's im Libanon, in eine politische Konfrontation mit irgendjemanden. Der Mann ist seit den letzten 30 Jahren für seine ruhigen politischen und religiösen Reden sowie seine Offenheit, bekannt. Was hat ihn nun dazugebracht, diesen harten Ton zu verwenden?

 

Gemäß der Sicht einiger Beobachter und Kenner über die Geschehnisse in Haret Hreik (Wohnort Seiner Eminenz), so gibt es in der Hauptbewegung Fadlallahs' drei Fundamente: Der Widerstand, die Offenheit, die Bewahrung der schiitischen Konfession und ihrer Rolle im Libanon.

 

Der Widerstand:

Im Anfang, und seitdem Beginn der islamischen widerständischen Bewegung gegen die israelische Besatzung ab 1982, traten aus seinem „Mantel“ eine große Anzahl von Führungskräften hervor, die heute mit dem Namen „Hisbullah“ bekannt sind. Jedoch bindet Fadlallah keinerlei strukturelle oder aktive Beziehung zu den widerständischen Gruppierungen, ohne den hohen Respekt zu ignorieren, den er von deren Mitgliedern und Verantwortlichen genießt. Die Partei rechnet die Standpunkte Fadlallahs an der Seite des Widerstands, welches nicht das Letzte war im Juli Krieg 2006, sehr hoch an. Währenddessen die israelischen Kampfflugzeuge sein Haus in Haret Hreik zerstörte sowie einige Institutionen der „Mabarrat Vereinigung“ [Für Waisenkinder], die unter seiner Aufsicht steht.

 

Und nachdem die Regierung Sanyuras' ihre bekannten 2 Entscheidungen traf, am 5. Mai 20081 war Fadlallah einer dieses Vierecks (Er, Parlamentspräsident Nabih Berri, Scheickh Abdel-Amir Kabbalan und der Generalsekretär der Hisb Allah Sayyed Hassan Nasrallah), welches der schiitische Schirm für die Bewegung am 7.Mai 2darstellte.

 

Es verärgerte Fadlallah, die Worte Sfeirs vor den Wahlen, doch die letzten Wort des Patriarchs waren „äußerst gefährlich“!


Die Offenheit:

Das zweite Fundament (Offenheit) prägte diesen Mann auf zwei Ebenen, der politischen sowie des Aufrufs (religiös), seit er aus Najaf in den Libanon kam, in den Sechziger Jahren. Und seit der religiöse Marja den Titel „Großayatullah“ erhielt, rief er einen Disput in den religiösen schiitischen Reihen im Libanon und im Ausland, hervor, der immer noch anhält. Eine große Anzahl der Rechtsurteile und religionsrechtlichen Meinungen und Ansichten, die er äußert, zeigen einen Austritt aus den in den schiitischen religösen Reihen, geltenden Grenzen (Einige Angelegenheiten, die die Frau3 betreffen, der Fall über die Worte der beiden Gebetsrufe [Adhan und Iqama]4, Gebetszeiten, die Überzeugung hinsichtlich Imam Alis' und seiner Rolle5...). Fadlallah brach auf von den gleichen Quellen, auf die sich die Schiiten stützen, jedoch lehnt er es ab, der Verstandestätigkeit Grenzen zu setzen.!

 

Und in der Politik, so hat der „Sayyed“ keine Hindernisse im Disput gesetzt, mit irgendeiner Seite. Darunter auch welche, die nicht im Einklang des islamisch-politischen Standpunktes steht, ( wie z.B. das Treffen mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter, mit dem Vorbehalt der Bewahrung und Festigung seiner ablehnende Standpunkte der amerikanischen Politik im Nahen Osten)

 

Die Bewahrung der Rolle der schiitischen Konfession im Libanon:

Drittens: Dieser Mann zählt zu den dominantesten schiitischen Marjas in der Welt, obwohl seine Reden während der letzten 3 Jahrzehnte, sehr offen und weit entfernt von allem was Zwietracht stiftet, sei es auf der Islamischen Ebene, oder aber auch auf den interreligiösen Ebenen. Er war ein Beispiel für vergebendes Recht [Fiqh]

 

Doch der „Sayyed“ bricht auf, auf der Basis der schiitischen Richtung und der Bewahrung der schiitischen Konfession im Libanon und ihrer Rolle, sei es im politischen oder gesemtgesellschaftlichen Leben. Er war einer derjenigen, der die politische Identität der schiitischen Konfession im Libanon, formte, und diese Identität mit der libanesischen Existenz behaftete, auch wenn er anfangs zwar gegen der Gründung des höchsten schiitischen Rates im Libanon war.

 

Durch diese drei Fundamente, sagt einer der Beobachter der Bewegung Fadlallahs', kann man seine Antwort auf die Worte des maronitischen Patriarchs Nasrallah Sfeir, nachvollziehen.

Die parlamentarische Minderheit formiert sich aus der schiitischen Mehrheit und etwas mehr als die Hälfte der Christen. "Und wenn der Patriarch möchte, dass die Minderheit außerhalb der Regierung bleibt, so bedeutet dies, dass die schiitisch-politische Repräsantanz außerhalb des Regierens bleibt." Und in der konfessional geltenden Politik, ist es unmöglich eine derartigen Vorschlag anzunehmen. Außerdem, verärgerten Fadlallah, die Worte des Patriarchs vor den letzten Parlamentswahlen, in denen er den Arabismus einer großen Anzahl von Libanesen anzweifelte, doch er bevorzugte es mit Niemanden in den Disput zu geraten. So widerholte der Patriarch die Gefahr, die einige für die Identität Libanons darstellen, seine letzte Äußerung aber stellt(e) eine weitaus höhere Gefahr dar, als seine Worte zuvor, für das konfessionsgebundene System im Libanon. Daher erhielt er darauf eine Antwort von „einer hohen geistlichen Autorität, ohne mit irgendjemanden in Konfrontation zu geraten“

 

Einer der Kenner des Sayyed, sagte: „Einige im Libanon erleichtern die Reaktion auf Propheten, während sie einige Worte von einigen Persönlichkeiten in einen heiligen Status weihen, dessen Berühren unzulässig ist“. Doch für Fadlallah existieren keine Heiligkeiten, egal was, die nicht erörtert werden können. Er ist es der keinen einzigen Tag Bedrängnis spürte, die religionsrechtlichen Meinungen zu erörtern/analysieren die Jahrzehntelang für „gesund“ gehalten wurden. Dieselbe Quelle wundert sich „dass die ganze Welt im Antlitz Fadlallah aufschreit, weil er mit Politik auf politische Worte geantwortet hat, insbesondere da Sfeir sich selbst von einer unparteiischen Stellung ausschloss und sich zu einer Seite in der politischen Konfrontation und bei der Wahl stellte.“

 

Fragend: „Wer gab Sfeir das Recht seine politische Meinung kundzutun, und wer spricht dieses Recht anderen ab?. Außer wenn einige es glauben, dass der Ruhm Libanon jemanden gegeben wurde und keinem anderen6. Und wenn Sfeir über Politik sprechen möchte so muss er damit rechnet, dass dies erörtert wird, sei es hinter geschlossen Türen, hinter dem Bildschrim oder auf der Kanzel“

 

 

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[1]Damals entschied die Regierung, das Kommunikationsnetz des Widerstandes abzuschalten. Dieses Kommunikationsnetz stellt im Juli Krieg eines wichtigsten Fundamente für den Sieg, und ist daher der Israelischen Regierung ein Dorn im Auge.

 

[2]Die Opposition rief an diesem Tag zu einem Volkswiderstand sprich zivilen Ungehorsams. Sie deckten die bewaffneten Milizen der Regierungsparteien auf, die sich als Sicherheitsfirmen in Beirut tarnten. In Wirklichkeit waren das erste Vorbereitungen für einen Bürgerkrieg bzw. bewaffnete Auseinandersetzung mit der Opposition. Die Regierung nahm daraufhin ihre Entscheidungen wieder zurück.

 

[3]In den Augen Seiner Eminenz spielen die Schwächeren und Unterdrückten eine sehr große Rolle, insbesondere Waisenkinder, Entrechtete aber auch Frauen. Siehe hierzu: Aufsätze

 

[4]Ayatullah Fadlallah sieht die Erwähnung der Wilayah Imam Alis im Gebetsruf nicht als Mustahab an und stützt sich hierbei auf einer der großen islamischen Rechtsgelehrten, der eine ähnliche Meinung vertritt.

 

[5] s. Widerlegung der Vorurteile und Multimedia

 

[6]Anspielung auf Sfeirs Äußerung, dass der Ruhm Libanons dem Patriarchat gegeben wurde, worauf Sayyed Fadlallah antwortet: „Der Ruhm Libanons wurde seinem kämpferischen und standhaften Volk gegeben“!

Die Übersetzung weicht leicht vom Original ab

08. September 2010

29. Ramadan 1431

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