Frage: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme, die jedes Jahr die Vereinigung der Mondsichtung für den Monat Ramadan so kompliziert machen?
Wenn damit die Vereinigung der Sichtung aller Monate gemeint ist, dann ist das an erster Stelle mit den rechtswissenschaftlichen Haltungen verbunden, die sich in zwei Meinungen spalten.
Die erste Meinung: Es wird vorgeschrieben, am Anfang eines Monats die Mondsichel optisch zu besichtigen. Das bedeutet gleichzeitig die Abhängigkeit von den Zeugen, die behaupten, die Mondsichel gesichtet zu haben.
Auf jeden Fall verlangt das von uns eine sorgfältige Überprüfung, um die Wahrscheinlichkeit einer Fehlsichtung vorzuführen. Besonders durch den reflektierenden Staub in den Himmelsphären, der während des Sonnenuntergangs aufleuchtet, wird die Sichtung fehlerhaft. Und wir haben in früheren Jahren erlebt, dass es Behauptungen gab, man habe die Mondsichel gesichtet, obwohl diese sich noch gar nicht gebildet hatte oder noch nicht sichtbar war.
Soviel aus der Erfahrung, dass diese Sichtung viele Probleme mit sich bringt. Eines der Hauptprobleme ist die fehlende Erfahrung des Beobachters in bestimmten Angelegenheiten, die bei der Verwirklichung der genauen Sicht eine Rolle spielen.
Auf der anderen Seite gibt es eine Meinung, die eine optische Sichtung der Mondsichel nicht voraussetzt, weil es dem Volksmund nach eher als eine Bestätigung der Mondsichel am Horizont und des Monatsbeginns fungiert. Dieser ist im Grunde mit der Mondbewegung verbunden, die wiederum an Sonne und Erde gemessen wird.
So könnte man sich zur Bestätigung auch auf genauen Berechnungen des Neumonds stützen, die einem Sicherheit vermitteln und gar überzeugen, obwohl der Neumond (Mondsichel) von keinem am Horizont gesichtet wurde. Ich glaube auch, dass diese Methode genauer als die der optischen Sichtung ist, weil die Augen oft täuschen, besonders bei der mangelnden Erfahrung vieler herangezogener Zeugen. Durch den Staub am Himmel, der die Augen möglicherweise trübt, sodass man denkt man habe den Neumond gesichtet, obwohl er gar nicht da ist.
Die zweite Meinung ist mit der Sichtbarkeit des Horizonts verbunden, bei der es zwei rechtswissenschaftliche Standpunkte gibt: Laut dem ersten Standpunkt ist der Horizont von jedem Land aus anders sichtbar, während der zweite Standpunkt den Horizont aller Länder als denselben sieht, vorausgesetzt sie haben mindestens einen Teil der Nacht gemeinsam. Das beeinflusst auf jeden Fall die Ermittlung der Monatsanfänge.
Die Mondsichel würde vielleicht nicht am Horizont der östlichen Länder liegen, aber nach einer bestimmten Zeitspanne wird sie in den westlichen Ländern sichtbar, die sich einen Teil der Nacht mit vielen östlichen Ländern teilen. Dadurch wäre der nächste Tag der Beginn des Monats, während man dem ersten Standpunkt nach noch einen zusätzlichen Tag warten müsste.
Das ist ein Problem, den unsere Religionswissenschaftler bemerken müssen. In diesem Bereich liegen auch schon die ersten Lösungsansätze vor. In manchen europäischen Ländern ist es nämlich so, dass der Neumond (Mondsichel) erst nach über zwei Tagen seiner Bildung am jeweiligen Horizont sichtbar wird. Diese Tatsache darf nicht ignoriert werden, denn es handelt sich hierbei um ganze zwei Tage, die nicht zum vorigen Monat dazu gezählt werden können. Dieser endete bereits durch die Bildung der Mondsichel bzw. durch die Rückkehr des Mondes „Wie ein alter Palmenzweig“, wie es der edle Quranvers ausdrückt. Auf dieses Problem stößt der erste Standpunkt, der den Horizont als Länderabhängig sieht und nicht als einen großen und weiten Horizont.
Frage: Ihre Haltung zu astronomischen Berechnungen zur Ermittlung des gesegneten Monats Ramadan ist unter allen Menschen bekannt. Aber wie sehen Sie den Ausweg aus dieser alten, immer wiederkehrenden Misere, die sich auf die Vereinigung der Moslems negativ auswirkt?
Dieses Problem lässt sich nur dann lösen, wenn sich die Moslems für die Vereinigung der rechtswissenschaftlichen Richtungen zur Ermittlung der Monate einsetzen. Dabei sollten sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Astronomie in diesem Bereich in Betracht ziehen. Das verlangt, neben des sich Öffnens gegenüber der Wissenschaft, ein Treffen der Religionswissenschaftler mit den astronomischen Wissenschaftlern.
Hierbei sollen sie den astronomischen Wissenschaftlern mehr Aufmerksamkeit schenken, um sich mit dieser Wissenschaft erst vertraut zu machen. Sie sollten die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Astronomen ausdiskutieren, wenn danach noch Zweifel besteht. In vielen Fällen besteht das Problem, dass den Religionswissenschaftlern, ob in der Rechtswissenschaft, in der Astronomie oder in anderen Gebieten, einfach das Fachwissen fehlt.
Hier muss ich auf einen wichtigen Punkt hinweisen: Die Ermittlung der Monatsanfänge wird in den islamischen Ländern offensichtlich durch politische oder religiöse Konflikte beeinflusst, was sogar den Religionswissenschaftlern mit astronomischem Wissen erschwert, eine einheitliche Lösung zu finden. Stattdessen werden sie von bestimmten religiösen oder politischen Mächten unter Druck gesetzt, die ihre Rivalität in dieser Hinsicht auch offen äußern.